Nymphensittich – was sollte man unbedingt wissen?

Nymphensittich – was sollte man unbedingt wissen?

Bevor Sie sich für die Haltung eines Nymphensittichs (es sollten immer mindestens 2 Nymphensittiche gehalten werden – Schwarmvogel – !) entscheiden, möchte ich Ihnen dazu einige wichtige Punkte nennen, die man beachten sollte! Diese kleinen Regeln sollen für Sie eine kleine Entscheidungshilfe sein. Denn wenn man erst einmal so einen kleinen gefiederten Freund bei sich zu Hause aufgenommen hat, ist es ganz besonders schlimm für ihn, wenn er sein neu gewonnenes zu Hause wieder verlassen muß, weil man es sich mit der Haltung eines Nymphensittichs evtl. leichter vorgestellt hat.

Passt ein Nymphensittichwirklich in mein Leben?

Deshalb ist es ratsam sich die folgenden Punkte genau durchzulesen und sich dann seine Gedanken darüber zu machen, ob ein Nymphensittich in Ihr Leben passt.

  1. Wenn Sie sich einen Nymphensittich anschaffen, sollten Sie wissen, dass er etwa 15 Jahre alt werden kann. Sind Sie bereit so lange für ihn zu sorgen?
  2. Haben Sie genügend Platz für einen geräumigen Käfig (Mindestmaße: 110x100x70 cm) für einen bis zwei Vögel. Wobei ich immer dafür plädiere einen Käfig so geräumig wie nur möglich zu kaufen, denn vielleicht entscheiden Sie sich doch für die Haltung mehrerer Nymphensittiche. Und außerdem sollte die Haltung so artgerecht wie möglich sein und dafür brauchen die Nymphensittiche viel Platz! Und ein geeigneter Standort ist nicht weniger wichtig!
  3. Können Sie Ihrem(n) gefiederten Freund(en) auch den notwendigen täglichen Freiflug gewährleisten?
  4. Werden Sie auch täglich ausreichend Zeit haben um sich mit Ihrem Nymphensittich zu beschäftigen?
  5. Finden Sie oder Familienmitglieder auch Zeit um mit Ihrem kleinen Freund täglich zu spielen, sprechen oder Ihm auch etwas vor zu pfeiffen?
  6. Werden Sie Ihren Nymphensittich auch einen guten, geeigneten Platz garantieren können, wenn Sie einmal verreisen? Denn auch in solch einem Fall sollten Sie sicher sein, dass Ihr Nymphensittich bestens versorgt wird!
  7. Leben bei Ihnen evtl. noch andere Haustiere, die sich vielleicht nicht mit Ihrem Nymphensittich verstehen? Einem Hund z.B. kann in den meisten Fällen begreiflich machen, dass der Nymphensittich zur Familie gehört,(siehe Galerie) einer Katze nicht!
  8. Auch wenn Sie den Nymphensittich für Ihr Kind anschaffen, muß die Verantwortung, für das Tier bei Ihnen liegen. Denn das Interesse eines Kindes an seinem Haustier kann schnell erlahmen!
  9. Sie sollten vor der Anschaffung eines Nymphensittichs absolut sicher sein, dass in der Familie niemand allergisch auf Vogelfedern bzw. Vogelstaub reagiert!
  10. Bedenken Sie bitte auch, dass die Ernährung und auch die Hygienischen Bedürfnisse Ihres Nymphensittichs regelmäßig Geld kosten! Auch die evtl. anfallenden Tierarztkosten sollten auf keinen Fall vergessen werden.
  11. Was auch Berücksichtigung finden sollte: Je sicherer Ihr Nymphensittich seine Runden (nach kennenlernen der Räumlichkeiten) im Zimmer dreht, desto lieber und vor allem öfter wird er sich auserhalb seines Käfigs aufhalten. Er wird seine Lieblingsplätze regelmäßig anfliegen.

Sie werden schon bald bemerken, dass er nicht nur untätig herumsitzt, evtl. auch erst einmal zaghaft, aber gerne mit zunehmenden Eifer an Vorhängen, Tapeten oder auch an Holz herumknappert. Sie tun dies nicht zu heftig wie andere Papageien, jedoch können Sie ganz ohne diese Schnabelarbeit nicht Leben.

Mein Tipp: Bieten Sie Ihrem Nymphensittich einen selbstgebastelten Kletterbaum an, der Ihm genügend Knabber, Kletter- und Spielmöglichkeiten bietet.

Käfig und Einrichtung

Die Käfigauswahl: Ein Käfig darf keinesfalls ständiger Aufenthaltsort sein, denn ein Nymphensittich muß unbedingt fliegen dürfen. Er wird krank werden, wenn er keinen Freiflug bekommt. Auch wenn Ihr Nymphensittich genug Freiflug bekommt, muß er auch einen geräumigen Käfig bekommen. Denn er wird trotzdem viele Stunden in seinem Käfig verbringen müssen (Lüften, Ihre Abwesenheit, Familienfeiern, Urlaub etc.) Der Käfig muß mindestens so groß sein, dass er beide Flügel seitlich und auch nach oben ausstrecken kann ohne mit den Flügeln oder dem Schwanz anzustoßen. Und er darf auch nicht mit den Schwanzfedern die Sitzstangen (Naturäste von ungespritzten Obstbäumen) berühren. Der Käfig sollte unbedingt vor Ankunft des Vogels an seinem endgültigen Platz und vollständig eingerichtet bereit stehen.

Die Einrichtung: Sie sollten unbedingt die meist im Lieferumfang des Käfig enthaltenen Plastikstangen vor Ankunft des Vogels gegen Naturäste in verschiedenen Stärken austauschen. Denn Ihr Nymphensittich wird die Stangen anknabbern, was für ihn sehr gesund ist und die verschiedenen Aststärken dienen der notwendigen Fußgymnastik die das Verkrüppeln der kleinen Füße verhindert. Sie sollten ihm auch genügend Spielsachen anbieten, damit er keine Langeweile bekommt. Allerdings bitte nicht überladen, damit er noch genug Platz für seine Aktivitäten innerhalb des Käfigs hat. Bitte legen Sie den Käfigboden niemals mit Zeitungen aus. Denn der Nymphensittich wird sie anknabbern und kann durch die Druckerschwärze erkranken /vergiften. Am besten bin ich selbst mit Vogelsand gefahren, in dem kleine Anisstückchen und/oder Muschelgrit enthalten war. Diese Anisstückchen werden mit Vorliebe von den Vöglen gefressen und dienen so der Gesundheit Ihres kleinen Mitbewohners.

Einkaufszettel:

  • Käfig wie bereits oben beschrieben.
  • Körnermischung für Großsittiche (am besten die Sorte die er beim Züchter oder im Zoogeschäft gewohnt war, und dann langsam auf neues Futter umstellen)
  • Hirsekolben
  • Schnabelwetzstein
  • 1 – 2 Zusatznäpfe (evtl. für Leckerlis)
  • Vogelsand mit Anisstückchen
  • Messingglöckchen an einer kurzen festen Kette
  • Schaukel mit Holzsitzstange
  • Spielzeug (möglichst aus Holz s. Bastelecke)
  • Sepiaschale
  • Kalkstein
  • Vogelgrit
  • 1 Nachtlicht (s.Eingewöhnen)

Pflege und Unterkunft

Wenn Ihr Nymphensittich sich wohlfühlen soll, dann braucht der nicht gerade kleine Käfig einen festen Platz. Das Wohnzimmer ist hierfür ein guter Standort. Er kann hier die ganzen Familienmitglieder mit denen er ja jetzt zusammen lebt zunächst aus sicherer Entfernung beobachten. Der Käfig sollte am besten in eine helle Ecke, allerdings nicht direkt vor das Fenster gestellt werden (Zuggefahr!). Nymphensittiche mögen es überhaupt nicht, wenn der Käfig frei im Zimmer steht. Ihnen fehlt hier dann die Geborgenheit. Also  immer darauf achten, dass der Käfig an mindestens einer Wand steht.

Auch sollte soviel Platz vor- oder um den Käfig herum sein, dass Sie sich nicht sehr eng an dem evtl. noch ängstlichen Vogel vorbei quetschen müssen! Prima wäre, wenn man den Käfig so wählt, dass der Nymphensittich seinen Besitzern direkt ins Gesicht sehen kann. Dann hat er nämlich am wenigsten Scheu. Es sollte ermöglicht werden, dass der Nymphensittich oben auf seinem Käfig einen Ast oder Gestell hat auf dem er sitzen und landen kann. Zusätzlich eine tolle Sache ist ein selbstgebauter Kletterbaum (s. Bastelecke). Wie bereits erwähnt muß der Standort des Käfigs absolut Zugfrei sein. Schon geringe Zugluft kann Ihren gefiederten Hausgenossen sehr krank machen.

Ein Tipp: Prüfen Sie dies doch einfach mit einer Kerze. Die Kerze flackert schon bei der geringsten Zugluft, die wir selbst noch gar nicht wahrnehmen.

Wo steht der Käfig falsch?

Direkt am Fenster: Im Winter wird es dort zu kühl, weil die Fensterscheiben (trotz Isolierung) Kälte abgeben. Und im Sommer wird es zu heiß (direkte Sonneneinstrahlung).

In der Küche: Hier ist wirklich alles gefährlich! Heiße Herdplatten, mit Wasser gefüllte Töpfe, giftige Dämpfe u.v.m. (s. Gefahren).

Im Kinderzimmer: Dort wird es dem Nymphensittich zu langweilig, wenn die Kinder in der Schule sind oder später dann auswärts zum spielen o.ä.. Und auf der anderen Seite wird es ihm zu laut und zu hektisch wenn fremde Kinder zu Besuch sind und im Kinderzimmer gespielt wird.

Was ist das beste Futter für einen Nymphensittich?

Außer dem handelsüblichen Körnerfutter für Großsittiche, und den Hirsekolben gibt es vieles andere mehr, was Sie Ihrem Nymphensittich anbieten können, und auch sollten! Ich stelle Ihnen hier Futter-Rezepte vor, die Sie für Ihren Vogel ganz leicht nachmachen können. Verschiedene Obst- und Gemüsesorten sollten von Anfang an täglich angeboten werden, auch wenn sie zunächst verschmäht werden. Desweiteren listen wir Ihnen hier auch unbekömmliches auf, damit Ihr gefiederter Freund keinen Schaden nimmt.

Obst: Bananen, Kiwis, Orangen, Mandarinen, Weintrauben, Erdbeeren, Äpfel, Frische Ananas, Aprikose, Birne, Brombeeren, Himbeeren, Kirschen, Mango,Melone, Pfirsich.

Gemüse: Auberginen, Chicoree (kann man gut lagern!), Maiskörner, (frische) Mangoldblätter, Möhre, unbehandelter Eisbergsalat, Zucchini (fast unverzichtbar ist die Vogelmiere).

Absolut unbekömmlich sind: Alle Kohlarten, rohe und grüne Kartoffeln, grüne Bohnen, behandelte (gegen Ungeziefer gespritzte) Blattsalate, Grapefruit, Rhabarber, Pflaumen, Zitronen, Avocado (kann nach neuesten Erkenntnissen auch für Wellensittiche giftig sein).

Kräuter und Wildpflanzen: Natürlich gehören zur Frischkost auch frische Kräuter und Wildpflanzen. Sie werden sehr gerne gefressen, denn sie ähneln denen, die ein Nymphensittich auch in Freiheit findet sehr.

Aus Küche und Garten können Sie füttern: Basilikum, Kerbel, Petersilie und auch Vogelmiere.

Was Sie auch von Ihrem Spaziergang mitbringen können: Was Sie hier unbedingt beachten müssen ist, dass Sie Wildpflanzen niemals an Straßen sammeln. Denn daran befinden sich extrem viele Giftstoffe durch Autoabgase u.ä.! Und es darf auch nicht gedüngt sein, da auch dies Ihrem gefiederten Freund sehr großen Schaden zufügen kann.

Hier bieten sich an: Halbreife und reife Samen vom einjährigen Rispengras und von der Blut-Fingerhirse. Abgeblühte Gänseblümchen ohne Stengel, Blätter und Stengel von jungem Löwenzahn, Vogelmiere, Hirtentäschelkraut u.v.m.. Da es noch unzählig viele Leckereien aus der Natur(zu sammeln) gibt, und man hierfür am besten eine „Anleitung“ dabei hat möchte ich Ihnen ein wunderbares Buch zu diesem Thema ans Herz legen! Es heißt: „Vogelfutter aus der Natur“ (s. Büchertipp) es ist ganz toll beschrieben und auch bebildert!

Wichtiger Hinweis: Bitte niemals direkt aus dem Kühlschrank füttern. Das Obst und Gemüse immer gut warm waschen, und vor dem füttern bitte gut abtropfen lassen!

Naschen vom Mittagstisch: Wer es mag, darf ruhig seinen Nymphensittich auch mal vom Mittags-Tisch naschen lassen. Allerdings sollte man unbedingt darauf achten, dass es „Leckereien“ sind, die auch unsere gefiederten Freunde vertragen. Es kommt unseren kleinen Mitbewohnern nur darauf an dabei sein zu dürfen. Verzichten muß man aber absolut auf „SÜSSES“ und auch „SALZIGES“, denn damit kann man ihnen enormen gesundheitlichen Schaden zufügen.

Was Sie Ihrem Nymphensittich (in Maßen) anbieten dürfen:

  • Gekochte Kartoffel (gut abgekühlt)
  • Gekochte Nudeln (gut abgekühlt)
  • Rohes Gemüse (s.oben) wie z.B. Möhren in Streifen
  • Eisbergsalat (gut gewaschen)
  • Obst (s.oben)
  • Es darf auch mal ein bißchen Quark oder Joghurt sein. Des guten Geschmacks wegen, kann man durchaus auch mal etwas Obst darunter mischen, wie z.B. zerquetschte Banane. Aber wie gesagt, alles in kleinen Mengen!

Welche Gefahren drohen?

Bestimmte Pflanzen sind für das Tier giftig: Dazu gehören u.a. folgende:
Becherprimel, Brechnussbaum (Strychnos vomoca), Catharanthus, Christusdorn, alle Diefenbachiearten Eibe, Hyazinthe, Immergrün (Vincia minor), alle Nacht- schattengewächse, z.B. Korallenstrauch, Madagaskarpalme (Pachypodium), Narzissen, Oleander, Beeren der Spitzblume (Ardisia), Weihnachtsstern, Wunderstrauch (Codiaeum variegatum), Wüstenrose, Beeren vom Zierspargel. Auch die Flamingoblume ist giftig (s.Bild rechts).

Nicht giftige, aber dennoch gesundheitsschädliche, Schleimhautreizende Substanzen sind enthalten in folgenden Pflanzen: Efeu, Fensterblatt (Monstera), Flamingoblume, Goldtrompete, Kolbenfaden, (Alaonema), Philodendron, Schefflera.

Höchste Vorsicht ist geboten bei: Allen Kakteen und anderen Pflanzen mit stacheligen Teilen.

Bitte fragen Sie beim Kauf einer neuen Pflanze nach deren Verträglichkeit für den Vogel. Es gibt leider immer wieder neue Arten, die noch nicht in dem „Gefahrenkatalog“ aufgenommen sind.
Vorsicht bei: Heißen Herdplatten, Öfen, offenes Feuer etc. Auch offenstehende Gefäße mit Wasser können zur Todesfalle werden!

joern

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